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News

09.06.2016

Interview Dr. Georg Reutter: "Wir fahren seit 2008 geradeaus", Börsen-Zeitung

Der Chef der Gewerbeimmobilienbank über die Jahre seit der Neuausrichtung und über Perspektiven

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Herr Dr. Reutter, die DG Hyp war vor rund einer Dekade ein Sorgenkind in der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Wie würden Sie Ihr Institut heute charakterisieren?
Wir sind – im positiven Sinne – eine langweilige Bank.

Das müssen Sie näher erklären.
Wir haben uns von kundenfernen Kapitalmarktgeschäften verabschiedet und konzentrieren uns seit 2008 auf die kundengetriebene gewerbliche Immobilienfinanzierung in Deutschland. Der Abbau von nichtstrategischen Portfolien ist weit fortgeschritten, unsere Bilanzsumme hat sich seit 2008 von rund 85 Mrd. Euro auf heute noch etwa 40 Mrd. Euro mehr als halbiert. Wir haben den Anspruch, eine verlässliche Bank der mittelständischen Immobilienwirtschaft zu sein, die eng mit ihren Kunden verbunden ist. Dabei sind wir zugleich tief verwurzelt in der genossenschaftlichen FinanzGruppe und arbeiten eng mit den Volks- und Raiffeisenbanken zusammen.

Wie sieht es denn mit den Altlasten aus?
Der weit überwiegende Teil des nichtstrategischen Portfolios ist abgebaut. Den Restbestand haben wir selbstverständlich weiterhin und laufend im Blick. Aber er lenkt uns nicht von unserem Kerngeschäft und vom Aufbau und der Pflege unserer Kundenbeziehungen ab.

Wie weit soll die DG Hyp noch schrumpfen?
Die Bilanzsumme wird auf eine Größenordnung von etwa 30 Mrd. Euro sinken. Was das nichtstrategische Portfolio angeht, wird der Abbau voraussichtlich noch einige Jahre dauern. Wir stehen dabei nicht unter Druck.

Welchen Umfang hat dieser Kreditbestand noch und wie verteilt er sich?
Wir reden hier über etwa 2 Mrd. Euro private Baufinanzierungen, 1 Mrd. Euro Mortgage Backed Securities (MBS) und etwa 7 Mrd. Euro Staatsfinanzierungen.

Wie sieht der Fahrplan genau aus, um dieses Portfolio abzutragen?
Wir orientieren uns an den Kreditfälligkeiten. Wenn Staatsfinanzierungen auslaufen, werden sie nicht mehr verlängert. Wenn bei Privatkunden Anschlussfinanzierungen anstehen, verfolgen wir das Ziel, diese zu den Volks- und Raiffeisenbanken bzw. zur Bausparkasse Schwäbisch Hall überzuleiten. Damit sind wir auch erfolgreich.

Inwieweit belastet das nichtstrategische Portfolio die Ertragslage der DG Hyp?
Das Privatkundenportfolio belastet die Ertragslage nicht. Auch im Bestand der MBS, in den seit Mitte 2007 nicht mehr neu investiert wird, sind die Risiken begrenzt. Wir gehen von einer Wertaufholung über die Restlaufzeit der MBS-Bestände aus. Bei den Staatsfinanzierungen würden wir dann belastet, wenn die Staaten ihre Schulden nicht bedienen.

Wie läuft das Geschäft?
Wir haben sieben gute Jahre hinter uns. Das jährliche Neugeschäft lag seit 2009 immer zwischen 4 Mrd. und 6 Mrd. Euro. Das Transaktionsvolumen im deutschen Immobilienmarkt ist aber auch gestiegen von 13,5 Mrd. Euro nach Beginn der Finanzmarktkrise auf 80 Mrd. Euro im vergangenen Jahr. 2016 liegen wir im ersten Halbjahr mit 2,8 Mrd. Euro über dem Ergebnis des Vorjahreszeitraums. Das Geschäft läuft ordentlich. Die Pipeline ist gut gefüllt, auch vor dem Hintergrund, dass der Wettbewerb sich zwischenzeitlich verschärft hat.

Hält der Trend der vergangenen Jahre denn an?
Das Rekordtransaktionsvolumen des vergangenen Jahres wird kaum zu erreichen sein. Das liegt nicht an einer nachlassenden Nachfrage. Der Grund liegt eher in einer zunehmenden Angebotsknappheit gefragter Immobilien und Lagen.

Wie schützen Sie sich vor einer Wende und vor wachsenden Risiken?
Wir wollen in guten wie in schlechten Zeiten voll lieferfähig sein, deshalb versuchen wir, zyklische Spitzen zu vermeiden. Im aktuellen Umfeld sind wir aus diesem Grund vielleicht zurückhaltender als andere und machen nicht alles mit, was möglich wäre.

Beschränken Sie sich, weil sich die DG Hyp nur auf den deutschen Markt konzentriert?
Die Fokussierung auf Deutschland hat sich in den letzten Jahren als durchaus ergiebig erwiesen. Deutschland gehört zu den international führenden Märkten mit fundamental stabiler Nachfrage.

Ist es auf Dauer nicht ein Risiko, sich nur auf einen Markt auszurichten? Wie groß ist denn die Gefahr einer Blase in Deutschland?
Der deutsche Markt ist groß und bietet ausreichend Raum für eine vernünftige Diversifizierung – in unterschiedlichen Regionen, Sektoren und Losgrößen, im Kurzfrist- und im Langfristgeschäft. Gefahren, die zu Blasen führen, muss man natürlich immer beachten. Allerdings haben Blasen die Eigenschaft, dass sie von der Breite des Marktes erst im Nachhinein erkannt werden. Gemeinsam mit unseren Kunden streben wir Projekte und Investitionen an, die nachhaltig funktionieren.

Wie beurteilen Sie die Zinsänderungsrisiken?
Im Zuge der sinkenden Zinsen sind Immobilien in den vergangenen Jahren wertvoller geworden. Offenbar haben wir nun einen Boden erreicht. Bei spürbar steigenden Zinsen wäre es vorbei mit dem zinsinduzierten Rückenwind für Real Assets. Es ist aber derzeit common sense, dass nicht mit schnell und deutlich steigenden Zinsen zu rechnen ist. Das sollte uns natürlich nicht davon abhalten, auf der Hut zu sein.

Wie entwickelt sich die Ertragslage?
Unsere Ertragslage entwickelt sich wie im vergangenen Jahr solide. Der Zins- und Provisionsüberschuss ist robust. Das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge hat im vergangenen Jahr mit 170 Mio. Euro ein Niveau erreicht, das 2008 nicht vorstellbar war. Wir halten aber an unseren konservativen Planungsrechnungen fest. In den kommenden Jahren gehen wir von leicht rückläufigen Ergebnissen aus.

2015 gab es eine Reihe von Sondereffekten. Ist das 2016 auch der Fall?
Wir haben im vergangenen Jahr 25 Mio. Euro auf unser Heta-Engagement abgeschrieben. Es könnte sein, dass ein Teil davon zurückkommt.

Wie sehr wirkt sich die verschärfte Regulierung aus?
Die Bankenabgabe kostet uns rund 15 Mio. Euro jährlich. Darüber hinaus wenden wir derzeit rund 8 Mio. Euro pro Jahr auf, um Regulatorik umzusetzen. Damit ist dieser Aspekt ein nennenswerter Teil unserer GuV geworden.

Wie beurteilen Sie die Kapitalausstattung der DG Hyp?
Unser Institut ist Teil der Kapitalsteuerung in der DZ Bank Gruppe. Wir planen notwendige und sinnvolle Maßnahmen gemeinsam mit unserer Muttergesellschaft.

Durch welche Maßnahmen ist 2015 die harte Kernkapitalquote auf 7,1% von 5,6% gestiegen?
Im Wesentlichen wurde der Anstieg erreicht durch den Rückgang der risikogewichteten Aktiva.

Das Kapitalniveau erscheint nach wie vor niedrig. Gibt es Pläne für eine weitere Stärkung und wie sehen diese aus?
Die Kernkapitalquote der DG Hyp wird so gesteuert, dass die aufsichtlichen Erfordernisse eingehalten werden. Wir sind Teil der genossenschaftlichen Finanzgruppe und werden adäquat mit Kapital ausgestattet.

Welche Bedeutung hat die DG Hyp für die Gruppe?
Wir sind ein Kreditspezialist im Firmenkundengeschäft. Das kommt in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase unserer Finanzgruppe mit ihrem großen Einlagenbestand zugute. Andererseits profitieren wir von der guten Bonität der Gruppe und von den Möglichkeiten zur Refinanzierung. Wir sind stark durch den Verbund, aber der Verbund profitiert auch von uns. Dazu gehört die gemeinsame Geschäftserschließung, aber auch die Zahlung einer adäquaten Dividende.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Volks- und Raiffeisenbanken?
Wir haben 2008 die Kooperation begonnen und arbeiten heute bundesweit mit rund 400 Ortsbanken zusammen. Wir stehen nicht in Konkurrenz zu den Instituten, sondern treten dann auf, wenn die Ortsbanken Unterstützung benötigen. 2015 lag das mit den Ortsbanken gemeinschaftlich getätigte Kreditgeschäft bei 2,8 Mrd. Euro. Die gemeinschaftlich mit den Volks- und Raiffeisenbanken getätigten Geschäfte machen uns besonders viel Freude.

Wo liegen die Grenzen für das Geschäft, das Sie abschließen?
Wir sind eine der wenigen Immobilienbanken, die die gesamte Finanzierungspalette anbieten. Von 1 Mio. bis 100 Mio. Euro pro Einzelengagement ist bei uns alles machbar. Bei risikoarmen Strukturen gehen wir auch über 100 Mio. Euro hinaus. Entscheidend ist, dass wir das Angebot der Ortsbanken optimal komplementär ergänzen.

Wie kam es dazu, dass Sie 2015 Risikovorsorge auflösen konnten?
Wenn Kredite zurückgezahlt sind, muss eine Wertberichtigung aufgelöst werden. Wir sind sehr konservativ in unserer Aufstellung. Immobilienfinanzierung ist langfristiges Geschäft. Langfristiges Geschäft kann man nur dann erfolgreich betreiben, wenn man zu jeder Zeit „an Deck“ ist. Dazu gehört auch eine risikobewusste Vorsorge. Wir wollen verlässlich sein, für unsere Kunden wie für unsere Partner in der genossenschaftlichen FinanzGruppe.

Die DG Hyp hat in diesem Jahr bislang zwei Hypotheken-Pfandbriefe im Benchmark-Format begeben. Wie sehen die Pläne für das Gesamtjahr 2016 aus?
Wenn wir von 5 Mrd. Euro Neugeschäft ausgehen, ist noch eine weitere Benchmark-Emission vorstellbar. Einen Teil des Geschäfts können wir refinanzieren durch Rückflüsse. Was übrig bleibt, wird zu zwei Dritteln gedeckt und zu einem Drittel ungedeckt refinanziert. Wir haben gedeckte Refinanzierungen geplant in einer Größenordnung von knapp 2 Mrd. Euro.

Die DG Hyp hat sechs Immobilienzentren in Deutschland. Bleibt es dabei?
Wir sind mit sechs Immobilienzentren und fünf weiteren Regionalbüros in Deutschland so breit aufgestellt, wie keiner unserer Wettbewerber. Daran wollen wir nichts ändern. Es gibt keine Pläne, weitere Büros zu eröffnen. Es gibt aber auch keinen Standort, der in Frage steht.

Denken Sie an Veränderungen im Kerngeschäft?
Wir fahren seit 2008 geradeaus, und das soll auch so bleiben. Wir sind profitabel. Wir stehen in engem Kontakt mit den Volks- und Raiffeisenbanken und Kunden und freuen uns über das Vertrauen, das uns entgegengebracht wird.

In Kürze steht die Fusion an der DZ Bank mit der WGZ Bank. Inwiefern tangiert der Zusammenschluss die DG Hyp?
Jetzt warten wir erst einmal die Fusion der Zentralbanken ab, auf die wir uns freuen. Alle anderen Fragen, wie auch die künftige Ausrichtung der Immobilienfinanzierung und die Zusammenarbeit der Immobilientöchter, sind nachgelagerte Themen, die dann sukzessive diskutiert und abgearbeitet werden.